Dr. Sighard Schräbler, Februar 2012
Es wäre eine 53 große Fußballstadien füllende Angelegenheit, wenn Menschen die Signale heutiger Radioteleskope mit Kopfhörern auswerten wollten. Mehr als 2,6 Millionen Beobachter müssten sich abstimmen, wann genau sie eine Änderung im Rauschen gehört haben und in welcher Reihenfolge. Und das nicht nur einmalig, sondern ständig. Dennoch - mit Kopfhörern, oder genauer mit Telefonhörern hat das alles angefangen. Allerdings war man nicht direkt auf der Suche nach astronomischen Objekten. Die drängten sich dem unfreiwilligen Zuhörer in Interkontinental-Telefonaten als lästiges Rauschen auf. Nicht immer, aber manchmal. Karl Guthe Jansky bemerkte, dass die Störungen jeden Tag vier Minuten früher auftraten, ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es etwas mit der Position der Sterne zu tun haben musste, denn auch sie standen Tag für Tag vier Minuten früher an gleicher Stelle. Es war das galaktische Zentrum, das täglich einmal kräftig in die Antenne rauschte, der Beginn der Radioastronomie. Die Einheit, in der die Helligkeit von Radioobjekten gemessen wird, erinnert heute noch an Jansky's detektivische Meisterleistung.
Sogar Sie selbst können mit Hilfe eines Radios und den eigenen Ohren astronomische Beobachtungen anstellen: geladene Teilchen, gefangen im Magnetfeld der Erde oder im Magnetfeld Jupiters. Mit den Mitteln eines gut ausgestatteten Amateurfunkers sind gerade noch ein paar Pulsare nachweisbar. Einfacher und wirkungsvoller ist es natürlich, einem Computer die Beobachtung zu überlassen. Der hat Zeit, kann Signale korrelieren und integrieren und wird nicht müde, alles aufzuzeichen, zu ordnen und anzuzeigen. Ein bersonders cleveres Verfahren, die sogenannte Apertursynthese, berechnet sogar Bilder der Himmelsobjekte aus unterschiedlich verzögerten und kombinierten Signalen mehrerer Radioteleskope.
Während optische Bilder im Wesentlichen das zeigen, was so heiß ist, dass es schon glüht und Röntgenteleskope nur die hochenergetischen Prozesse wahrnehmen, stellen Radioteleskope das kalte Universum dar und zeigen zudem Stellen, an denen Magnetfelder geladene Teilchen beschleunigen. Nicht zuletzt identifizieren Radioteleskope (und Infrarotteleskope) auf große Entfernung spektrale Fingerabdrücke einfacher Moleküle: Alkohol im Weltraum. Ameisensäure! Vielleicht findet man dort draußen demnächst sogar Bausteine und Bruchstücke der DNA. Es würde eine fundierte Vorstellung der Häufigkeit von Leben im Universum eröffnen.
Eine andere Sensation verbirgt sich im Optischen hinter den Dunkelwolken der Sternentstehung: Das supermassive Schwarze Loch SGR A* im Zentrum unserer Galaxis, es wäre das Bild des Jahrhunderts, das endlich einen echten Ereignishorizont zeigt. Einige Mikrobogensekunden müsste das Teleskop auflösen, das ist so gut, dass man von einer Erdnuss auf dem Mond noch eine Detailansicht bekäme. Diese Glanzleistung erwartet man von ALMA, dem Atacama Large Millimeter and submillimeter Array in Verbindung mit ähnlichen Teleskopen auf benachbarten Kontinenten.
Fortschitte auf dem Gebiet der Relativitätstheorie, der Stringtheorie, den Gravitationswellen und dem Verständnis des frühen Universums, als die ersten Sterne zündeten, verspricht dagegen SKA, das Square Kilometre Array. Dieses Jahr entscheidet sich, ob es in Afrika oder in Australien und Neuseeland gebaut wird. Tja, weshalb nur ein Teleskop bauen, wenn man für das doppelte Geld zwei davon haben kann? Technologietransfer, ein Gewinn für die Kommunikationstechologie im Allgemeinen, interessante Jobs und schnelles Internet gehören zu den nicht astronomischen Versprechungen dieses Projektes.
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